Gehörgangsentzündung (Otitis externa)

Zusammenfassung

Die Entzündung des Gehörganges ist eine Erkrankung, die sehr schmerzhaft und manchmal auch langwierig sein kann. Bei  fachgerechter Behandlung heilt sie jedoch folgenlos aus. Die häufigsten Ursachen für ihre Entstehung sind Verletzungen der Haut des Gehörganges, z.B. durch eine unsachgemäße Ohrreinigung oder verunreinigtes Badewasser. Kennzeichnend sind starke Ohrenschmerzen, besonders beim Zug an der Ohrmuschel. Die Behandlung erfolgt mit alkoholischen Streifen sowie kortison- und antibiotikahaltigen Salben und Tropfen.

Allgemeines

Die Otitis externa ist eine Entzündung der Haut des Gehörganges durch Verletzungen, Bakterien, Pilze oder Allergien. Sie ist eine sehr häufige Erkrankung.

Kleine Anatomie

 

 

 

 

 

 

Gehörgangsentzündung

Der äußere Gehörgang ist etwa 3,5 cm lang und endet vor dem Trommelfell. Er hat einen S-förmigen Verlauf, so dass das Trommelfell nicht direkt sichtbar ist. Er besteht aus einem äußeren knorpeligen und einem knöchernen Anteil. Die Übergangsstelle, ca. 1 cm vor dem Trommelfell, ist sehr eng. Hier besteht die Gefahr der Einkeilung von Fremdkörpern.

Die Haut des Gehörganges besitzt im knorpeligen Teil Haare sowie Ohrenschmalzdrüsen, die den Ohrenschmalz (Cerumen) absondern. Der Ohrenschmalz hat eine wichtige Schutzfunktion: Im Rahmen der Selbstreinigung des Gehörganges wird er selbständig zum Gehörgangseingang befördert. Dabei transportiert er Schmutz aus dem Gehörgang nach außen und hat somit eine Reinigungsfunktion. Außerdem bestehen gewisse bakterizide (Bakterien abtötende) und fungostatische (das Wachstum von Pilzen hemmende) Eigenschaften.

Ursachen

Eine der häufigsten Ursachen für Gehörgangsentzündungen sind kleinste Verletzungen der Haut den Gehörganges, wie sie z.B. beim Reinigen mit dem Wattestäbchen oder anderen Hilfsmitteln entstehen. Durch diese Verletzungen können dann Bakterien eindringen, die Entzündungen verursachen. Außerdem fehlt durch das ständige Reinigen das schützende Ohrenschmalz. Nach dem Schwimmen in öffentlichen Gewässern ist eine Gehörgangsentzündung besonders im Sommer häufig. Ursache ist hier das verunreinigte Wasser, welches im Gehörgang verbleibt. Ein Abfließen des Wassers wird z. B. durch viel Ohrenschmalz oder Exostosen, also gutartige Knochenvorsprünge im Gehörgang, verhindert.

Gehörgangsentzündungen können auch bei Mittelohrentzündungen mit länger bestehender Ohrsekretion, Gehörgangsekzem oder Allergien (z.B. Haarwaschmittel, Ohrpassstück bei Hörgeräten, Ohrentropfen) entstehen.Das Schaffen einer "feuchten Kammer" durch das Ohrpassstück vom Hörgerät oder das "sich Watte in das Ohr stecken" begünstigt die Entstehung einer Gehörgangsentzündung.Auch eine Zoster-Virus-Infektion (Gürtelrose am Ohr - Zoster oticus) geht mit Zeichen  einer Gehörgangsentzündung einher.

Symptome

Die Gehörgangsentzündung beginnt meist mit einem Juckreiz. Danach setzten starke brennende Schmerzen ein. Beim Zug an der Ohrmuschel und beim Kauen nehmen diese zu. Oft kommt es zu einer Sekretion aus dem Gehörgang. Durch das Zuschwellen des Gehörganges kann eine Hörminderung eintreten.

Bild eines entzündeten Gehörganges

Komplikationen

Bei Patienten, die an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) leiden, kann die Gehörgangsentzündung einen sehr schweren Verlauf nehmen. Neben Entzündungen der Haut wird hier der umgebene Knochen mit erfasst. Das kann zu Knochenzerstörungen und Nervenlähmungen führen.Eine verschleppte Gehörgangsentzündung kann sich in die Umgebung ausbreiten und so die Ohrmuschel und den Ohrknorpel erfassen. Fieber und Schwellung der Halslymphknoten können hinzutreten.
Bei der chronischen Form der Gehörgangsentzündung steht vor allen der Juckreiz im Vordergrund.

Die Gürtelrose am Ohr (Zoster oticus) zeichnet sich durch stechende Schmerzen und Blässchenbildung auch an der Ohrmuschel aus. Meist kommen hierbei Nervenentzündungen, die sich in Schwerhörigkeit, Schwindel oder Gesichtsnervenlähmung äußern, hinzu, die die angrenzende Ohrspeicheldrüse erfassen. Eine Abszessbildung (Eiteransammlung) ist möglich.

Diagnose

Beim Zug an der Ohrmuschel oder beim Druck auf den Knorpelvorsprung vor dem Gehörgangseingang (Tragus) verstärken sich die Schmerzen. Die Ursache lässt sich oft durch die genaue Erhebung der Krankengeschichte erkennen (Unsachgemäße Ohrreinigung?, Verletzung?, Baden?).

Beim Blick in das Ohr ist der Gehörgang meist gerötet und geschwollen. Die Schwellung kann so stark sein, dass das Trommelfell nicht mehr sichtbar ist. Sekret und Verunreinigungen können sichtbar sein.
Bei einer Entzündung, ausgehend von einem Haarbalg (Furunkel), zeigen sich anfangs oft eine kleine Schwellung, Rötung und Eiteraustritt am Gehörgangseingang. Eine Pilzinfektion zeichnet sich durch einen weißlichen bis dunkelbräunlichen Belag im Gehörgang aus.

Bei einer Hörminderung wird ein Hörtest, ggf. eine Gleichgewichtsprüfung durchgeführt. Im Einzelfall sind eine Röntgenaufnahme, ein Abstrich zur Erregerbestimmung, Blutuntersuchungen oder ein Allergietest notwendig.

Therapie

Zunächst erfolgt eine subtile Reinigung des Gehörganges durch den HNO-Arzt. Nach Zurückdrängen der Schwellung werden antibiotikahaltige Salben oder Ohrentropfen angewendet. Auch Ohrspülungen sind möglich, die durch den HNO-Arzt durchgeführt werden.

Bei einer Pilzinfektion (siehe Bild) werden antimykotische (das Pilzwachstum hemmende) Salben und Tropfen verwendet. Es ist wichtig, den Gehörgang dann trocken zu halten. Das erreicht man z.B. durch das Fönen nach dem Duschen oder Baden.

Eine virale Infektion (Zoster oticus) wird mit einem entsprechenden Mittel, z.B. Aciclovir, therapiert. Bei gleichzeitigem Befall der Nerven, kommt meist eine Infusionsbehandlung mit einem durchblutungsfördernden Medikament hinzu. Die Behandlung einer Stoffwechselkrankheit (z.B. Zuckerkrankheit) muss in jedem Falle durchgeführt werden.

Prognose

Eine Gehörgangsentzündung ist sehr schmerzhaft und kann langwierig sein. Sie heilt aber in den meisten Fällen folgenlos aus.
Tritt sie öfters auf, sollten erkennbare Ursachen beseitigt werden. Exostosen (Knochenvorsprünge im Gehörgang) können z.B. operativ entfernt werden. Eine Rezidivneigung, also eine Wiederholungsgefahr, findet man beim Ekzem, Pilzerkrankungen oder chronischer Mittelohrentzündung. Bei einer Gürtelrose des Ohres können eine Gesichtsnervenlähmung, Schwindel oder Schwerhörigkeit, aber auch Schmerzen über Monate zurückbleiben.

Prophylaxe

Das Reinigen der Ohren mit Wattestäbchen oder anderen Instrumenten, sollte unterlassen werden. Der Gehörgang unterliegt einer Selbstreinigungsfunktion. Dabei transportiert der Ohrenschmalz Verunreinigungen aus den Gehörgang. Durch ständiges Säubern des Ohres wird diese Funktion gestört und schafft eine Basis für Entzündungen. Nicht zu vergessen sind mikroskopisch kleine Verletzungen als Eintrittspforte für Bakterien, welche bei der Reinigung entstehen können. Hinzu kommt dass der Säureschutzmantel der Haut gestört wird.

Der Gehörgang sollte trocken gehalten werden. Nach dem Baden kann er mit einem Fön getrocknet werden.

Es sollte ohne ärztliche Anweisung nichts in den Gehörgang geführt werden, da hierbei eine feuchte Kammer vor dem Trommelfell entsteht, die zu einem beschleunigtem Wachstum von Bakterien und Pilzen führt.

Patienten, die ein Hörgerät tragen oder zu einer verstärkten Bildung von Ohrenschmalz neigen, sollten durch den HNO-Arzt regelmäßig eine Ohrreinigung durchführen lassen.

Stoffe, die Allergien auslösen, wie z.B. Ohrschmuck, Ohrentropfen u. ä. sollten dann nicht verwendet werden.

Bei Patienten mit einer Zuckerkrankheit muss der Blutzucker regelmäßig überprüft und entsprechend eingestellt werden

 

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