Tinnitus
- Ohrgeräusche
Zusammenfassung
Als
Tinnitus werden in der medizinischen Fachsprache Geräusche bezeichnet, die man
unter Ohrgeräusche, Ohrenklingeln oder Ohrensausen kennt. Es sind gehörte
Wahrnehmungen (Hörereignisse), denen keine tatsächliche akustische Schallquelle
aus der Umwelt entspricht. Lärmbelastung
und Stress erhöhen das Risiko. Die Ursache für die Entstehung des Tinnitus ist
jedoch noch nicht bekannt.
Genaue
Erhebung der Krankengeschichte und eine umfassende HNO-ärztliche Untersuchung
werden zum Ausschluss einer zugrunde liegenden Erkrankung durchgeführt. Die
Therapie erfolgt mittels durchblutungsfördernder Infusionen und Glucocorticoiden,
wobei die Erfolge umso besser sind, je kürzer der Tinnitus besteht. Bei
chronischem Tinnitus hat sich die Tinnitus-Retraining-Therapie bewährt.
Definition
 |
Das
Wort Tinnitus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Klingeln, Geklingel",
abgeleitet vom Verb "tinnire".
Als
Tinnitus werden in der medizinischen Fachsprache Geräusche bezeichnet, die man auch
als Ohrgeräusche, Ohrenklingeln oder Ohrensausen bezeichneten kann. Es sind
gehörte Wahrnehmungen (Hörereignisse), denen keine tatsächliche akustische
Schallquelle aus der Umwelt entspricht und die keinen Informationswert für den
Betroffenen besitzen.
Tinnitus
ist durch keine Messmethode messbar und wird in der Regel nur vom Betroffenen
wahrgenommen. Er ist also rein subjektiv, also ein subjektiver Tinnitus.
|
Im
Gegensatz dazu gibt es den viel selteneren objektiven Tinnitus. Auch hier
werden vom Betroffenen Töne gehört. Diese können aber auch vom Untersucher,
z.B. mit einem Stethoskop, gehört werden und sind meist messtechnisch
nachweisbar. Diese Art von Ohrgeräusch ist oft rhythmisch (z.B. pulssynchron)
und wird meist durch anatomische oder physiologische Veränderungen ausgelöst.
Hinweis:
Bei Tinnitus handelt es sich um ein Symptom, vergleichbar mit z.B. Schmerz.
Tinnitus ist also in diesem Sinne nicht die Erkrankung.
Allgemeines
Die
meisten Erwachsenen haben irgendwann in ihrem Leben einen Tinnitus. 8% aller
Erwachsenen war wegen starken Ohrgeräuschen bereits beim Arzt. Nur 10-15% der
Betroffenen leiden unter ihrem Tinnitus. Die anderen kommen gut mit ihm aus.
Die Zahl derer, die angeben, ihr Tinnitus sei nach einem emotionalen Ereignis
oder einer Stress-Situation aufgetreten, ist sehr viel höher als die Zahl
jener, die ein körperliches Ereignis nennen können.
Wegen
der zunehmenden (freiwilligen, z.B. Disko, Walkman) Lärmbelastung bei
Jugendlichen klagen bereits mehr als 5% der Jugendlichen bis zum 29. Lebensjahr
über Tinnitus.
Das
Phänomen Tinnitus ist so alt wie die Menschheit. Bereits Schriften aus Babylon
oder Indien, welche um 1500 v. Chr. verfasst wurden, beschäftigen sich mit dem
unangenehmen Ton im Ohr.
Zahlreiche
bekannte Persönlichkeiten haben und leiden unter ihrem Tinnitus. Zu ihnen
zählen Martin Luther, Ludwig van Beethoven, Betrich Smetana, der spanische
Maler Francisco Goya oder die Schauspieler William Shatner und Sylvester
Stallone.
Ursachen
Die
Ursachen für einen Tinnitus sind vielfältig und können sowohl in allen
Strukturen des Ohres, als auch im Gehirn liegen. Hier einige Beispiele: Gehörgang/Trommelfell:
z.B. Ohrenschmalz, Fremdkörper (z.B. Watte), vorspringende Knochen im Gehörgang
(Exostosen)
Mittelohr: Trommelfellperforation, Tubenfunktionsstörung,
Paukenerguss, Mittelohrentzündung, Adhäsivprozesse, Trommelfellunbeweglichkeit
Innenohr:
Schalltrauma, Lärmschwerhörigkeit,
Hörsturz, Morbus Meniere, Altersschwerhörigkeit, Medikamente, starker Blutdruckabfall
mit nachfolgender Minderdurchblutung des Innenohrs
Zentrale
oder unklare Lokalisation: nach
Hirnhautentzündung, Bluthochdruck, zu niedriger Blutdruck, Veränderungen der
Halswirbelsäule, Multiple Sklerose, Blutarmut (Anämie), Stress, Rauschgift
Ursachen
für einen objektiven Tinnitus können z.B. sein:
- unwillkürliche
Kontraktionen der Gaumenmuskulatur oder der Mittelohrmuskeln,
- eine
gefäßreiche Neubildung im Mittelohr (Glomus-tympanicus-Tumor),
- Verengung
(Stenose) der Halsgefäße, z.B. bei Arteriosklerose,
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(z.B. Veränderungen an den Herzklappen, wie eine Aortenklappenstenose)
Wie
entsteht ein Tinnitus?
Wie
ein subjektiver Tinnitus entsteht, ist noch nicht sicher geklärt. Es existieren
zahlreiche Theorien und Denkmodelle zur Tinnitusentstehung, doch steht die
Forschung noch am Anfang.
Einige
dieser Theorien sind:
Entstehung
des Tinnitus im Gehirn
Sind
einige Hörzellen (Haarzellen) im Innenohr geschädigt, werden von ihnen nur
unzureichende Informationen an das Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn (speziell
das Hörzentrum in der Hirnrinde) versucht, diese Minderinformationen
selbständig durch Rückkopplungen zu kompensieren. Dabei entsteht eine
überschießende Aktivität einzelner Nervenzellen in der Hirnrinde. Diese entspricht
dem Tinnitus.
Spontanaktivität
und der Hörnerv als Ort der Tinnitus-Entstehung
Im
Normalzustand treten in den einzelnen Hörzellen und Nervenfasern spontane
elektrische Impulse, die sogenannte Spontanaktivität auf. Diese ändert sich
unter Beschallung des Ohres und enthält dann die Information des Schallreizes
in verschlüsselter Form. Die Information wird an das Schallzentrum im Gehirn
weiterleitet.
Lärmeinwirkung
oder Innenohrgifte
Bestimmte
Medikamente oder starker Lärm können die Funktion der Hörnerven beeinträchtigen.
Im krankhaften Zustand ist die Spontanaktivität dann vermindert oder verändert.
Da die normale Spontanaktivität nicht als akustischer Reiz wahrgenommen wird,
kann angenommen werden, dass Abweichungen von Normalzustand des elektrischen
Gleichgewichts in die eine oder andere Richtung zur Wahrnehmung eines Höreindruckes,
d.h. von Tinnitus führen.
Der Einfluss von
Stress auf den Tinnitus
Theorie 1:
Eine
Verstärkung des Tinnitus unter beruflichem, seelischem oder körperlichen Stress
wird von vielen Betroffenen angegeben. Besserungen treten oft in stressfreien
Phasen wie Urlaub auf.
Wie
kann man das erklären? Entwicklungsgeschichtlich können gerade schwache oder
durch Umgebungsgeräusche verdeckte akustische Signale, wie das Knacken eines
Astes oder das Zischen einer Schlange für Mensch und Tier von großer Bedeutung
gewesen sein. Löst ein solches Warnsignal Stress oder Angst aus, dann wurde
offenbar das für Emotionen zuständige limbische System (eine spezielle
Hirnstruktur) aktiviert. Auch der Tinnitus kann als ein solches Warnsignal interpretiert
werden. Es wird vermutet, dass das limbische System die Stärke von
Rückkopplungen in der Hirnrinde reguliert. Stärkerer Stress, welche Ursache er
auch immer hat, führt demnach zu stärkeren Rückkopplungen und diese zu einem
lauteren Tinnitus. Dieser Tinnitus wiederum zu mehr Stress, da der wahrgenommene
Ton eine erneute Angstreaktion auslöst. Es entsteht so ein Teufelskreis, der
mit entsprechenden Therapien (siehe unten) durchbrochen werden muss.
Theorie 2:
Der
Stressreiz löst im Körper eine Fülle von Reaktionen aus, u.a. eine vermehrte
Ausschüttung von Hormonen, die die Blutgefäße verengen. Dadurch kann es zu
einer Minderdurchblutung kommen, was zu einer Schädigung einzelner Zellen, z.B.
im Ohr oder Gehirn führt. Diese Schädigung kann zu einem Hörverlust oder
Tinnitus führen.
Symptome
Der
Tinnitus kann zeitweise oder ständig, ein- oder beidseitig auftreten. Man hört
sehr vielgestaltige Töne oder Geräusche z.B. pfeifende, klingelnde, rauschende,
brummende, sägende.
Wird
das Ohrgeräusch vom Patienten toleriert und fühlt er sich dadurch nicht oder
nur wenig gestört, spricht man vom kompensierten Tinnitus. Tritt eine starke
Beeinträchtigung der Lebensqualität ein und kann der Patient mit seinem
Tinnitus nicht umgehen, spricht man von dekompensierten Tinnitus
Manchmal
besteht gleichzeitig eine Hyperakusis, also eine Hellhörigkeit für bestimmte
Töne. Meist geht die Entstehung oder die Verstärkung eines Ohrgeräusches mit
beruflichem, seelischem oder körperlichen Stress einher.
Je
nach Dauer des Ohrgeräusches unterteilt man in den:
-
akuten Tinnitus (bis zu 3 Monaten)
-
subakuten Tinnitus (bis 6
Monaten)
-
chronischen Tinnitus (länger als
6 Monate)
Komplikationen
Folgen
eines Tinnitus können Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen,
Arbeitsunfähigkeit bis hin zum Selbstmord sein. Dies kann schnell zu einem
Teufelskreis führen, da diese Symptome zu weiteren Stress mit einer
nachfolgenden Verschlechterung des Zustandes führen kann.
Diagnose
Ziel
der Diagnostik ist es, die Ursache für den Tinnitus zu finden. Es wird
ausgeschlossen, dass keine ernsthafte Erkrankung dahinter steckt. Folgende
Untersuchungen werden bei Tinnitus in der Regel durchgeführt:
Eine
eingehende Befragung des Patienten: Berufsanamnese (Lärm, Verletzungen),
Unfälle mit Kopfverletzungen, Ohrerkrankungen (z.B. Hörsturz, Operation),
neurochirurgische Operationen; Beschreibung der Art und Häufigkeit des
Tinnitus; Hals-Nasen-Ohren-Untersuchung; Blutdruckmessung, ggf. eine 24 Stunden
Blutdruckmessung; Hörprüfungen, um eine Innenohrschwerhörigkeit auszuschließen;
Tympanogramm / Stapediusreflex-Prüfung zur Bestimmung des Mittelohrdruckes und
Beurteilung der Funktion der Mittelohrmuskeln; Prüfung der Verdeckbarkeit, also
die Bestimmung der Lautstärke, bei der der Tinnitus nicht mehr gehört wird;
Lautstärkenbestimmung des Tinnitus: Dies geschieht durch den Vergleich des
Tinnitus mit auf dem Gegenohr angebotenen Audiometertönen. So wird die Tinnitusfrequenz
und -lautstärke bestimmt.
In einigen
Fällen werden durchgeführt:
Messung
otoakustischer Emissionen: Das sind Töne, die das Innenohr beim Gesunden
aussendet, wenn es mit einem Schall gereizt wird. Fehlen diese Emissionen,
weist das auf eine Schädigung der Hörzellen (äußeren Haarzellen) hin.
Gleichgewichtsprüfung:
In 20 % der Fälle findet man hier pathologische Veränderungen.
Blutuntersuchungen;
Objektive Hörprüfung (BERA); Magnetresonanztomographie (MRT) um einen Tumor des
Hörnervs auszuschließen; Funktionsuntersuchungen der Halswirbelsäule.
In
manchen Fällen wird man weiterführende Untersuchungen durch einen Internisten,
Neurologen, Orthopäden, Augenarzt oder Psychologen veranlassen.
Therapie
Im
Gespräch sollte der Patient beruhigt und über die Ungefährlichkeit des Tinnitus
aufgeklärt werden.
Tinnitusformen,
deren Ursache im Gehörgang oder Mittelohr liegen lassen sich oft kausal
therapieren. Operativ können z.B. Mittelohrverwachsungen,
Trommelfellperforationen oder Exostosen, also gutartige Knochenvorsprünge im
Gehörgang, beseitigt werden.
Therapie
bei akutem Tinnitus
Die
Behandlung des subjektiven akuten Tinnitus beginnt meist mit einer
Infusionstherapie. Hier werden Medikamente eingesetzt, die die
Fließeigenschaften des Blutes verbessern. Diese Medikamente bezeichnet man auch
als Rheologika. Die Dauer der Infusionsbehandlung liegt zwischen 7 und 10
Tagen. Die gleichzeitige Gabe von Glukokortikoiden ist ebenfalls sinnvoll. Kurzzeitig
werden auch Schlafmittel oder Mittel gegen Depressionen eingesetzt.
Die
hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) kann bei einem Tinnitus durchgeführt werden,
der nicht älter als 6 Wochen ist und bei dem eine medikamentöse Therapie ohne
Erfolg bleibt. Ziel ist es, während der Therapie mehr Sauerstoff im Blut zu
lösen und damit die Sauerstoffversorgung des Innenohres zu verbessern. Leider
führt diese Therapie nur in wenigen Fällen zum Erfolg und wird von der gesetzlichen
Krankenkasse in der Regel nicht bezahlt.
Therapie
bei chronischem Tinnitus
Bei
chronischem Tinnitus kommen andere Therapieformen zum Einsatz.
Ziel
dieser Therapien ist es, dass sich der Patient mit seinem Ohrgeräusch
arrangiert, also lernen muss, mit ihm zu leben, ohne durch den Tinnitus in
seiner Lebensweise beeinträchtigt zu werden.
Einige
Therapiemöglichkeiten sind:
Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)
Grundlage dieser Therapie ist die Vorstellung, dass
das Hörsystem bei allen Menschen so abgeschirmt ist, dass längst nicht alle
Geräusche wahrgenommen werden. So hört man z.B. das Geräusch eines
Kühlschrankes oder andere Umgebungsgeräusche, wie Straßenlärm, nicht mehr.
Diese Geräusche werden also durch unser Gehirn herausgefiltert. Nach dieser
Theorie werden Ohrgeräusche erst dadurch hörbar, dass die schützende
Filterwirkung des Gehirns beeinträchtigt ist, z.B. durch Stress.
In der Behandlung wird die Wiederherstellung dieser
Filterwirkung angestrebt. Der Patient soll also lernen, seinen Tinnitus nicht
mehr wahrzunehmen. Das Ohrgeräusch, dass anfangs störend und bestimmend ist,
soll so als unbedeutend empfunden werden. Die Therapie besteht meist aus sechs
"Counsellings" (Beratungen) die sich über einen Zeitraum von 12 bis
18 Monaten verteilen.
Zusätzlich zu diesen "Counsellings" werden
in den meisten Fällen "Noiser" angepasst, das sind Geräuschgeber, die
wie kleine Hörgeräte hinter oder im Ohr getragen werden. Die Noiser produzieren
ein sogenanntes rosa Rauschen, ein leises Geräusch. Dieses verstärkt die akustische
Hintergrundinformation. Dadurch wird die Erkennung des Tinnitussignals in der
Hörverarbeitung erschwert.
Diese Therapie ist sehr erfolgsversprechend. Studien
zeigten dass ca. 80% der Patienten eine signifikante Besserung oder sogar eine
vollständige Abheilung des Tinnitus und/oder der Hyperakusis angaben, auch wenn
die Beschwerden schon seit Jahren bestanden hatten.
Die Therapie kann ambulant durchgeführt werden.
Tinnitus-Maskierung
Hierbei werden ebenfalls Tongeber eingesetzt, die wie
kleine Hörgeräte hinter oder im Ohr getragen werden. Sie produzieren ein
Geräusch, dass lauter als der Tinnitus ist und diesen so “übertönen” soll.
Nachteil ist, dass sie lauter und auf die Dauer unangenehmer sind.
Hörgeräteversorgung
Ca. 50% der Tinnitusbetroffenen haben gleichzeitig
einen Hörverlust. Der Tinnitus wird von Schwerhörigen vermehrt wahrgenommen, da
die verdeckenden Außengeräusche fehlen. Hier kann ein Hörgerät sowohl den
Hörverlust ausgleichen, als auch die Gewöhnung an den Tinnitus beschleunigen.
Musik- und Klangtherapie
Hierbei stehen spannungslösende und kontaktbildende
Effekte im Vordergrund. Das bewusste Wahrnehmen von Tönen schult das akustische
System und lässt den Tinnitus in den Hintergrund treten. Eine spezielle Form
der Klangtherapie stellt Tinnicur dar. Dabei werden durch ein spezielles Gerät
Tonfrequenzen eines Musikstückes, die dem eigenen Tinnitus entsprechen,
akustisch verzerrt. Dadurch lernt das unbewusste Hören, die störenden Geräusche
und damit auch den Tinnitus, aus der Wahrnehmung auszublenden.
Psychotherapeutische Behandlung
Die psychotherapeutische Unterstützung spielt eine
große Rolle bei der Bewältigung eines chronischen Tinnitus. Besonders, wenn das
Tinnitusleiden zu schwer wiegenden seelischen Veränderungen, wie Depressionen
oder Angstzuständen, geführt hat, gewinnt sie entscheidenden Bedeutung. Dabei
hat sie die Funktion, demjenigen, der stark mit seinem persönlichen Problem
beschäftigt ist, zu helfen, Lösungen zu finden. Diese Lösungen sind für andere
manchmal eigentlich offensichtlich, werden aber vom Betroffenen oft nicht
erkannt. Die Psychotherapie hat also die Funktion des einfühlenden Blickes von
außen. Wer sich auf eine Psychotherapie einlässt, kann eine große Zahl an
Hilfestellungen erhalten und viele, für ihn neue Zusammenhänge kennen lernen.
Entspannungstechniken
Um den Kreislauf zwischen Tinnitus und Tinnitusleiden
zu durchbrechen, sind eine Reihe von Entspannungstechniken sinnvoll. Durch
autogenes Training erzielt man mit autosuggestiven Übungen Ruhe und
Entspannung. Durch Selbstbeeinflussung lernt man die Beherrschung der
Körperfunktionen wie Muskelarbeit, Atmung oder Herzschlag und hat so positive
Effekte auf Psyche und Allgemeinbefinden.
Bei der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson
(PMR) setzt man die Erkenntnis um, dass Körper und Psyche eine untrennbare
Einheit bilden. Eine Muskelanspannung kann auch zur Verkrampfung der Seele
führen und eine Entkrampfung des Körpers kann die Seele lockern. So tritt durch
Anspannen und plötzliches Lösen einzelner Muskelgruppen neben der physischen
Lockerung auch die psychische Entspannung ein.
Körperübungen
Hierbei lernt man, seine Aufmerksamkeit auf den
Körper und die Kontrolle Bewegungen zu lenken und so das Erleben des Tinnitus
zu ändern. Wenn man z.B. konzentriert schreibt, hört man das Zwitschern der
Vögel viel leiser als beim Spaziergang durch den Park. Diese Art der Ablenkung
kann auch helfen, seinen Tinnitus zu bewältigen.
Eine Form der Körperübungen ist die
Feldenkrais-Methode. Dabei werden eingefahrene Bewegungsabläufe des Körpers
bewusst gemacht und für diese andere Möglichkeiten gesucht. Die Methode gibt
die Gelegenheit, alte Muster zu überdenken und neue Wege zu finden. Die
Erfahrung, dass es für fast jede eingefahrene Bewegung eine Alternative gibt,
verleiht Sicherheit, dass auch in anderen Lebensbereichen die Freiheit der Wahl
besteht. Besonders geeignet ist diese Methode bei ausgeprägtem Tinnitus sowie
Schwindel.
Tai Chi
fördert die bewusste Wahrnehmung von Körpergefühlen und
Sinnesreizen. Viele Menschen lernen dabei, sich selbst und ihren Körper
anzunehmen.
Die Alexander-Technik
basiert auf der Beobachtung, dass viele
Bewegungsabläufe falsch erlernt wurden und so nicht den natürlichen anatomischen
und physiologischen Körperabläufen entsprechen. Diese falschen Bewegungen
führen so zu Krankheiten, wie z.B. Verspannungen. Durch Erkennen dieser
falschen Gewohnheiten und deren Abstellung erreicht man das Ziel, den Körper
neu zu erfahren und die Körperwahrnehmung bewusster zu gestalten. Eingesetzt
wird diese Methode besonders bei Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sowie
Folgen von Gelenkproblemen und inneren Erkrankungen.
Der regelmäßige Freizeitsport
verbessert nicht nur die körperliche Fitness, sondern
auch das seelische Wohlbefinden. Besonders Depressionen, Angstgefühle und
Anspannungen können dadurch reduziert werden.
Viele
der aufgeführten Therapiemöglichkeiten kann man ambulant unter Anleitung eines
erfahrenen Arztes oder Therapeuten erlernen. Vorteilhaft ist die Erlernung der
Methoden in extra dafür ausgerichteten Tinnitus-Kliniken. Wo sich entsprechende
Kliniken befinden sowie deren Leistungsangebote erfährt man bei den Krankenkassen
und der
Tinnitus-Liga.
Prognose
Liegen
Die Ursachen für den Tinnitus im Gehörgang oder im Mittelohr, ist die
Heilungschance gut. Die Resultate einer medikamentös-durchblutungsfördernden
Behandlung oder einer hyperbaren Sauerstofftherapie sind im “akuten” Stadium
des Tinnitus am besten. Eine Wirkung beider Therapien ist nicht erwiesen. Die
Spontanheilung bei akutem Tinnitus (z.B. nach einer Lärmbelastung) ist häufig.
Die
Heilungschance bei chronischem Tinnitus ist unbefriedigend. Die besten
Ergebnisse zeigt die Tinnitus-Retraining-Therapie. Dabei muss aber darauf
hingewiesen werden, dass mit dieser Therapie das Ohrgeräusch nicht
wegtherapiert, sondern die Einstellung des Betroffenen zu seinem Tinnitus
verändert wird. Hier werden Erfolgsraten bis zu 80% beschrieben.
Buchtipps
zum Thema Tinnitus
Der Buch-Einkauf
geht am einfachsten bei
www.Amazon.de