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Welt am Sonntag 22.09.2002
Mikroschleifer heilt kindliche "Schlaf-Apnoe"
San Diego –
Vergrößerte, aber nicht entzündete Mandeln verursachen eine "kindliche
Apnoe".Diese nächtlichen Atemstillstände führen zu Schlafproblemen und einer
Vielzahl von Verhaltens-änderungen, unter anderem schlechteren schulischen
Leistungen. Anstatt in solchen Fällen eine Totaloperation vorzunehmen,
erprobten Ärzte in US-Kinderkrankenhäusern eine teilweise Verkleinerung der
Mandeln.
Das geschieht mittels eines Mikroschleifers
– ein Gerät, das auf schonende Weise verdicktes Gewebe abhobelt, dabei
jedoch das eigentliche Mandelgewebe intakt lässt.
Nach den Erfahrungen mit bisher 243 Kindern
erweist sich diese teilweise Mandelentfernung als wesentlich
patientenfreundlicher als die Totaloperation, beseitigt die kindliche
Schlaf-Apnoe aber genauso effektiv.
Wird bei einer Entzündung oder bei einer
Vergrößerung der Mandel das vollständige oder teilweise Entfernen notwendig,
dann bieten sich drei Möglichkeiten an:
Das althergebrachte Skalpell, eine Verödung
mit Hitzeeinwirkung oder ein neues Laserskalpell. Zwar verringert die
Verödung den Blutverlust, die noch tagelang nach der Operation auftretende
Schmerzen sind jeodch stärker als beim Schnitt mit dem herkömmlichen
Skalpell. Als besonders schonend scheint sich die Verwendung eines
Kontakdioden-Lasers zu erweisen, mit dem allerdings erst wenige
Erfahrungen gesammelt wurden.
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Die Lasertonsillotomie
bei der obstruktiven Schlafapnoe aufgrund adenotonsillärer Hyperplasie
im Kindesalter - Ergebnisse aus der Praxis |
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Laser-assisted Tonsillotomy in Children with Obstructive Sleep Apnea and
Adenotonsillary Hyperplasia - Experiencies as an Outpatient Procedure |
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F. Ilgen1 |
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Gemeinschaftspraxis und Belegabteilung Dr. med. Frank Ilgen, Dr. med.
Klaus Kirchner |
Zusammenfassung
Hintergrund:
Die adenotonsilläre Hyperplasie ist die häufigste Ursache der obstruktiven
Schlafapnoe (OSA) im Kindesalter. Seit einigen Jahren wird zunehmend die
Lasertonsillotomie als Alternative zur Tonsillektomie insbesondere bei
Kindern ohne Tonsillitiden in der Vorgeschichte eingesetzt. In der Literatur
finden sich zudem Hinweise auf eine geringere Schmerzhaftigkeit der
Lasertonsillotomie und eine schnellere Erholung der Kinder im Vergleich zur
konventionellen Tonsillektomie.
Material und Methoden:
Von Mai 2000 bis Mai 2004 wurden bei 50 Kindern (Mittelwert = 5,3 ± 1,7
Jahre) mit adenotonsillärer Hyperplasie und möglichem obstruktivem
Schlafapnoesyndrom eine Lasertonsillotomie und Adenotomie als ambulanter
Eingriff durchgeführt. Postoperativ erhielten alle Eltern der Kinder einen
anonymisierten Fragebogen zur Ermittlung der prä- und postoperativen
Symptome und des Brouillette-Scores, der postoperativen Schmerzen und der
Erholungsdauer.
Ergebnisse:
Zur Auswertung kamen 36 Fragebogen über einen Beobachtungszeitraum von 4
Wochen bis zu 4 Jahren (Mittelwert = 1,3 Jahre). Bei 32 Kindern (89 %)
zeigten sich nach Lasertonsillotomie mit Adenotomie weder Schnarchen oder
ziehende Atemgeräusche, noch Apnoen. Der Therapieerfolg war hinsichtlich des
Brouillette-Scores hochsignifikant (p = 0,001) und lag bezogen auf lautes
Schnarchen bei 91 %, auf ziehende Atemgeräuschen bei 93 % und bezogen auf
Apnoen bei 100 %. Die Schmerzhaftigkeit des Eingriffes wurde durch die
Eltern mit gering bis mäßig eingestuft, die post-operative Erholung erfolgte
zu 92 % in den ersten 6 Tagen nach Operation (Mittelwert = 4,7 Tage). Eine
Nachblutung wurde nicht beobachtet.
Schlussfolgerung:
Die Lasertonsillotomie kann in Verbindung mit der Adenotomie bei
adenotonsillärer Hyperplasie und Symptomen einer obstruktiven Schlafapnoe
beim Kind als schonendere und komplikationsärmere Alternative zur
konventionellen Adenotonsillektomie empfohlen werden.
Abstract
Background:
The adenotonsillar hyperplasia is the most relevant cause for the
obstructive sleep apnea in children. Since several years laser-assisted
tonsillotomy becomes more common as an alternative treatment especially in
children having no tonsillitis history. The therapeutical effect of
laser-assisted tonsillotomy in combination with the traditional adenotomy
treating the obstructive sleep apnea in children has not yet been
researched. In addition literature indicates less pain and fast recovery of
the children compared to conventional tonsillectomy.
Materials and
methodology:
Starting May 2000 until May 2004 laser-assisted tonsillotomy and adenotomy
have been performed in 50 outpatient children, mean age of 5.3 ± 1.7 years,
with adenotonsillar hyperplasia and possible sleep apnea. Postoperatively
the parents of the patients were questioned with an anonymous questionnaire.
Pre- and postoperative symptoms and Brouillette score, the degree of pain
and the post-surgical time of recovery have been investigated.
Results:
36 questionnaires have been evaluated. The follow-up time was between 4
weeks and 4 years (mean = 1.3 years). With regard to the symptoms snoring,
difficulty breathing during sleep and apnea 32 of the children (89 %) were
symptom-free after laser-assisted tonsillotomy with adenotomy. The
Brouillette-score improved significantly (p = 0.001), snoring was reduced in
91 %, difficulty breathing in 93 % and apnea in 100 % of the children. The
pain of the surgical intervention has been valued by the patient’s parents
as mild to moderate. Postoperatively 91.6 % of the children recovered within
6 days (mean = 4.7 days), no bleeding occurred.
Conclusion:
Outpatient laser-assisted tonsillotomy with adenotomy can be recommended in
children with adenotonsillar hyperplasia and possible obstructive sleep
apnea. The surgical intervention is less painfull, the children recover more
quickly and the results on snoring, difficulty breathing and apnea are equal
in comparison to conventional tonsillectomy with adenotomy. In addition the
recommended procedure shows less post-operative complications.
Schlüsselwörter
obstruktive
Schlafapnoe - Kind - Tonsillenhyperplasie - Lasertonsillotomie - Brouillette-
Key words
Obstructive sleep apnea - children - tonsillar hyperplasia - laser-assisted
tonsillotomy - Brouillette-score - pain Score - Schmerz
Laryngo-Rhino-Otol :
DOI: 10.1055/s-2004-826197
Die
Lasertonsillotomie bei der Tonsillenhyperplasie des Kleinkindes
K. Helling (1), J.
Abrams (2), W. K. Bertram (3), S. Hohner (3), H. Scherer (1)
(1) Universitäts-HNO-Klinik, Klinikum
Benjamin Franklin, Freie Universität Berlin
(2) Abteilung HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Plastische
Operationen, St.-Barbara-Klinik Hamm- Hessen
(3) HNO-Gemeinschaftspraxis, Gescher
Zusammenfassung
Die Teilresektion der hyperplastischen Tonsille, die Tonsillotomie, wird in
Deutschland zur Behandlung der frühkindlichen Obstruktion des Isthmus
faucium allgemein abgelehnt. Das muss überdacht werden. Die Ergebnisse aus
dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin (n=637), einer HNO-Belegabteilung
und einer operativ ausgerichteten HNO-Praxis (n=189) zeigen, dass die in der
Literatur zu findenden Angaben über schwere Spätkomplikationen mit
Vernarbungen der Tonsillenkrypten und Häufungen von Peritonsillarabszessen
als Folge einer Tonsillotomie nicht weiter aufrechterhalten werden können.
Im Nachbeobachtungszeitraum trat keine dieser Komplikationen auf. Die
Tonsillotomie ist eine adäquate Behandlung der Tonsillenhyperplasie im
frühen Kindesalter und führt zu sehr guter Besserung der präoperativen
Beschwerden (Schnarchen, Atmungsbehinderung, Schluckbeschwerden,
Gedeihstörungen). Voraussetzung für einen langfristigen Erfolg ist dabei die
konsequente Beschränkung dieses Eingriffs auf die Diagnose der
Tonsillenhyperplasie.
Aus HNO Band 50 Heft 5 Mai 2002
Abstract
Volume 50 Issue 5 (2002) pp 470-478
DOI 10.1007/s00106-001-0580-x
Lasertonsillotomie verbessert
Kooperation zwischen HNO- und Kinderärzten
Die Lasertonsillotomie bietet
eine sinnvolle Alternative zur Tonsillektomie, meint Dr. Dr. med. Jürgen
Abrams aus Hamm, der in seiner Praxis seit 1997 nahezu 500 Kinder im Alter
zwischen einem und zehn Jahren mit dieser Methode behandelte. Bei einer
retrospektiven Überprüfung der Operationsergebnisse wurden die Eltern von
347 der operierten Kinder angeschrieben. Der Rücklauf lag bei 69,2 Prozent.
94 Prozent der Eltern berichteten dabei über eine deutliche Besserung im
Hinblick auf das Schnarchen und 86 Prozent über eine Besserung im Hinblick
auf Atemaussetzer bei ihren Kindern. Nur bei 2,5 Prozent der Fälle mussten
zu einem späteren Zeitpunkt die Tonsillen ganz entfernt werden.Die
Häufigkeit von Mandelentzündungen sank nach der Operation von 49,5 Prozent
auf 11 Prozent. Über 90 Prozent der Eltern beurteilten die Operationsmethode
insgesamt als „gut“ oder „sehr gut“. Seit Einführung der Lasertonsillotomie
hat sich außerdem nach Meinung der Studienautoren die Einstellung der
Kinderärzte zu Eingriffen im Bereich der Tonsillen stark verbessert.
Pädiater, die zuvor deutlich zurückhaltend bei Tonsillenerkrankungen der
Kinder in die HNO-Praxis überwiesen, konsultieren nun den HNO-Arzt
wesentlich häufiger, wenn es darum geht zu entscheiden, ob beim Schnarchen
oder bei Gedeihstörungen von Kindern eine Lasertonsillotomie indiziert wäre.
Quelle:
HNO-Nachrichten 5/2003, 38-40
Internet:
www.hno-nachrichten.de
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Tonsillektomienachblutungen im Zeitraum von 1985 bis 2001 und
Erfahrungen bei der Anwendung der Lasertonsillotomie bei Kleinkindern |
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Postoperative
Bleeding after Tonsillectomy between 1985 and 2001 and Experiences to
Perform Lasertonsillotomy |
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Th. Günzel
1, E. Zenev
1, N. Heinze
1, K. Schwager
2 |
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1
HNO-Klinik, Zentralklinikum Augsburg (Direktor: Prof. Dr. Dr. F. X.
Brunner)
2 Univ. HNO-Klinik Würzburg (Direktor: Prof. Dr. J. Helms) |
Zusammenfassung
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Hintergrund:
Die Tonsillektomie ist eine der meist durchgeführten Operationen in
unserem Fachgebiet. Die postoperative Nachblutung ist jedoch nicht nur
ein statistisches Risiko, sondern kann in einzelnen Fällen tragisch
enden. In der derzeitigen Situation und im Hinblick auf die DRGs dürfte
eine postoperative Regelverweildauer bis zu 6 Tagen sowohl für
Belegärzte als auch für die meisten Kliniken Probleme mit sich bringen.
Methode:
Es wurden 10 052 Patienten nach Tonsillektomie, 7663 aus der Würzburger
und 2389 aus der Augsburger Klinik, ausgewertet. Weitere Auswertungen
erfolgten nach einer Befragung der Eltern von 65 Kleinkindern nach
Lasertonsillotomie.
Patienten:
Das Patientengut der Tonsillektomierten beinhaltet alle Altersgruppen,
das der Kleinkinder nach Lasertonsillotomie umfasst die Altersgruppe von
1 bis 6 Jahren.
Ergebnisse:
Den ersten Nachblutungsgipfel der Würzburger HNO-Klinik fand man
innerhalb der ersten 24 Stunden nach Operation. Ein zweiter Gipfel
bestand nach dem 5. und 7. postoperativen Tag und nach dem 8. und 15.
postoperativen Tag. Bei der Augsburger HNO-Klinik lag der
Nachblutungsgipfel zwischen dem 7. und 9. postoperativen Tag. Bei
lasertonsillotomierten Kindern gab es keine postoperative Nachblutung.
Schlussfolgerungen: Ein postoperativer stationärer
Aufenthalt von 3 Tagen erscheint ausreichend, wäre im Einzelfall jedoch
individuell anzupassen. Kleinkinder bis 6 Jahre sollten bei
symptomatischer Tonsillenhyperplasie lediglich einer Lasertonsillotomie
zugeführt werden. |
Ärzte Zeitung, 08.10.2001
Lasertherapie läßt Tonsillen schonend
schrumpfen
KIEL
(zdo). Patienten mit Tonsillenhyperplasien, die häufig in der Genese der
Bronchitis eine Rolle spielen, sind sehr gut mit Lasertonsillotomie zu
behandeln. Wie Privatdozent Dr. Godber Sönke Godbersen auf einer von
Pohl-Boscamp unterstützten Veranstaltung in Kiel berichtet hat, werden dabei
nur etwa 50 Prozent der Tonsillen abgetragen, um ihre Funktion zu erhalten.
Mit über 300 Patienten, deren Tonsillen er
mit einem Laser verkleinert hat, machte der Kieler Facharzt für
HNO-Erkrankungen sowie Kopf- und Halschirurgie sehr gute Erfahrungen. Es
träten kaum Schmerzen oder Blutungen auf und die Tonsillen würden bei
offenen Krypten narbenfrei verheilen.
Die Tonsillotomie –
Renaissance eines „verbotenen“ Eingriffs ?
Horst Ganz, Marburg, Hessisches Ärzteblatt
3/2005 191
Entwicklungen in der Medizin – nicht selten
im Kreise
Die
Geschichte der Medizin ist auch die ihrer Irrtümer. Hierher gehört u.a. der
sogenannte Kreiseffekt (Ganz, 1998):ein bereits als richtig praktiziertes
und publiziertes Verfahren, meist operativer Art, wird wieder aufgegeben und
viel später „neu erfunden“. Im HNO-Fach gehören hierher u.a.:
• die Stapesplastik bei Otosklerose.
Stapedektomien hatte Kessel in Jena bereits 1876 erfolgreich ausgeführt. Sie
wurden aus Angst vor der Infektion des Innenohres (irrtümlich) zugunsten der
viel weniger effektiven Fensterungsoperation aufgegeben und erst nach dem
zweiten Weltkrieg durch Rosen, Shea und Schuknecht „neu erfunden“.
• die endonasale Nebenhöhlenchirurgie.
Bereits 1906 von Halle fertig entwickelt,
wurde sie zugunsten des radikalen Eingriffs nach Caldwell-Luc mit Vorgehen
zu Siebbein und Keilbeinhöhle durch die Kieferhöhle (Slogan Kisikei)
verlassen und erst ab Ende der 70er Jahre durch die Arbeiten von
Messerklinger, Stammberger und Wigand neu belebt. Für die Jüngeren unter uns
ist die endonasale Chirurgie selbstverständlich. Ob sie sich „für Alles“
eignet, wage ich zu bezweifeln und erwarte ein teilweises Zurückschlagen des
Pendels.
Es sieht heute so aus, als ob sich auch die
Tonsillotomie, also die teilweise Entfernung der Gaumenmandeln (TO) diesem
Kreise anschließen wird. Wieso?
Eine Operationsmethode unserer Väter bzw.
Großväter - zu Unrecht verboten?
Die Tonsillotomie (Gaumenmandelkappung) war
in der Praxis unserer Väter und Großväter bis etwa zum Ende des zweiten
Weltkrieges eine gängige Operationsmethode Indikation war die exzessive
Mandelhyperplasie mit Atemund/ oder
Schluckproblemen. Als Instrumentarium wurde die Guillotine
nach Guersant-Fahnestock verbreitet
angewendet. Noch in der dritten Auflage der „Operationen an Nase, Mund und
Hals“ von A. Seiffert, erschienen 1947, ist diese Technik der Tonsillotomie
beschrieben und das Instrument abgebildet. Ein zweites Verfahren, das nach
Sluder, hielt sich länger, wohl weil das Ergebnis im Idealfall einer
klassischen Tonsillektomie (TE) nahekommen konnte. Ich erinnere mich, daß
Professor Mittermaier, Ordinarius in Marburg bis 1956 und danach in
Frankfurt a.M., dieses Verfahren noch gerne angewendet hat. Denecke hat es
im Operations-Handbuch „Die Oto-rhinolaryngologischen Operationen im Mundund
Halsbereich“ noch 1980 beschrieben.
Warum geriet die chirurgische Tonsillotomie
(TO) ins Verdikt? Infolge der intratonsillären Vernarbung befürchtete man
eine Obliteration von Tonsillenkrypten mit nachfolgender Sekretstauung und
Neigung zu intra- und paratonsillärer Abszeßbildung. Hinzu kam – und darauf
wird heute kaum noch eingegangen – die Furcht vor der Entstehung eines
tonsillären Focus, war doch die Herdlehre damals allgemein anerkannt
(Literatur bei Falk und Maurer 1963). So haben wir Alle nur die
extrakapsuläre TE gelernt. Etwa seit zehn Jahren gibt es aber wieder
Versuche, die TO neu zu beleben. Im Internet fand ich 28 Publikationen zum
Thema, u.a. aus Schweden, England und den U.S.A. In Deutschland hat sich
Scherer mit seinem Berliner Team zum Vorreiter gemacht. Als Einziger verfügt
er über größere Fallzahlen.
Gründe für eine Wiederbelebung der
Tonsillotomie
Zur Begründung der Wiederbelebung der TO
wurden folgende Argumente ins Feld geführt:
• Neue Verlaufskontrollen nach TO haben
bisher keine Häufung von Tonsillitiden und Abszessen ergeben.
• Bei der histologischen Untersuchung von
später vollständig entfernten Tonsillen waren die Krypten offen
und keine Sekretstauungen mit Entzündung zu
finden. Hier wären allerdings größere Fallzahlen wünschenswert.
• Die TO wird in Deutschland vorerst nur
bei Kleinkindern mit extremer andelhyperplasie ohne Entzündungssymptomatik
eingesetzt, wenn Atemund/ oder Schluckstörung zur Operation zwingen.
• Die TO erhält die immunologische Funktion
der (Rest-)Tonsillen. Dem Postulat der Kinderärzte, daß nämlich die
Tonsillen bis zum vollendeten 4. Lebensjahr das einzige Organ mit
immunologischer Abwehrfunktion seien, haben sich die HNO-Ärzte bekanntlich
angeschlossen.
• Nachblutungen sind nach TO sehr selten,
die postoperativen Schmerzen sind viel geringer als nach TE.
• Mit der Lasertechnik haben wir ein
überlegenes Operationsverfahren zur Verfügung.
• Die TO erscheint für eine ambulante
Durchführung besser geeignet als die TE. Cave: es gibt bisher keine
Leitlinie!
Wer
führt wieder Tonsillotomien aus? Indikationen: Atem- und Schluckprobleme
beim Kleinkind ohne Anginen
Diese Schlußfolgerungen ergeben sichaus den
nachstehenden Publikationen:
Scherer und Mitarbeiter (2002 ff.)
berichteten über 826 Kleinkinder, bei denen eine Laser-TO, meist mit dem
CO2-Laser, ausgeführt wurde. Die IndikationTonsillenhyperplasie ohne
klinische Entzündungszeichen, aber mit erheblichen Atem- und/oder
Schluckproblemen wurde strikt eingehalten. K. Jahnke mit Mitarbeitern
konnten 2004 über 103 entsprechende Eingriffe in Essen berichten. 75 Kinder
konnten über längere Zeit beobachtet werden. Ergebnisse siehe oben. Hörmann
berichtete über 50 TOs in Mannheim mit der argonunterstützten
monopolaren Nadel, bei der die bei
CO2-Laserung obligaten Sicherheitsvorkehrungen unterbleiben können...– Im
Ausland ist man hinsichtlich der Altersgrenze großzügiger. Hultkrantz und
Mitarbeiter aus Schweden (2004) bezogen Kinder bis zu 15 Jahren in die
CO2-Laser-TO mit ein und operierten vorwiegend ambulant. Koltai et al (U.S.A.,2003)
führten die TO bei 243 Kindern aus. Die Schmerzen waren geringer als bei
einer TE, die postoperativen Langzeitverläufe waren identisch.
Die Tonsillotomie, für ambulante
Durchführung geeignet, aber …
Die
sehr geringe Komplikationsrate läßt die TO für eine ambulante Durchführung
geeignet erscheinen. Allerdings kann der Eingriff dann nicht zu Lasten der
gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden, sondern muß privat liquidiert
werden. Wienke (2004) weist dringlich darauf hin, daß die engen Kriterien
bei der Indikationsstellung zu berücksichtigen sind. Der Arzt darf allein
danach, nicht aber nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten seine Entscheidung
bezüglich der Wahl der Operationsmethode treffen. Die Bundesrepublik ist
hinsichtlich der vollen Verantwortlichkeit des Operateurs eine politische
Insel, weshalb besondere Vorsicht am Platze sei. Um bei einer später doch
noch notwendigen TE dem möglichen Vorwurf, einen überflüssigen Eingriff
durchgeführt zu haben, zu entgehen, müssen die Eltern des Kindes besonders
sorgfältig über die Beweggründe für die Wahl der TO und die Möglichkeit
eines Versagens des nicht radikalen Eingriffs aufgeklärt werden.
Die Kryo-Tonsillotomie –eine vergessene
Alternative
Andere
Operationsverfahren als die Lasertechnik sind für die TO meines Wissens in
Deutschland nicht mehr in Gebrauch. Erwähnt werden sollte aber die
Kryochirurgie, eine nach anfänglicher Begeisterung im HNO-Fach vollständig
wieder aufgegebene Operationsmethode. Es war seinerzeit kaum möglich, die
Gaumenmandeln kryochirurgisch vollständig zu entfernen, auch nicht bei
Verwendung flüssigen Stickstoffes sowie einer Saugsonde (siehe Ganz 1974).
Gerade deshalb wäre das Kälteverfahren für die TO geradezu prädestiniert,
auch angesichts seiner Vorteile: kaum Schmerzen und Blutungen, keine
wesentliche Narbenbildung, beliebige Wiederholbarkeit. Wer versucht es? Bei
exzessiv großen Mandeln ist wegen der Gefahr der Oedembildung von einer
ambulanten Operation allerdings abzuraten.
Schlußfolgerung
Die
Wiederbelebung der TO in jüngster Zeit mit den Ergebnissen entsprechender
Langzeitbeobachtungen hat gezeigt, daß das Verdikt dieser Technik zugunsten
der TE in seiner Absolutheit neu überdacht werden muß (Scherer et al
2002ff.). Für die Indikation extreme Tonsillenhyperplasie ohne klinische
Entzündungszeichen, aber mit Atemund/ oder Schluckproblemen bei Kleinkindern
bis zum vollendeten 4. Lebensjahr kann die – auch ambulant mögliche – (Laser)TO
wieder eine Alternative zur extrakapsulären TE werden.
Literatur beim Verfasser
Anschrift des Verfassers:
Professor Dr. med. Horst Ganz
Hans-Sachs-Straße 1, 35039 Marburg
Schlüsselwörter
Atemnot – HNO – Kleinkind – Laser
– Mandelkappung – Tonsillenhyperplasie
– Tonsillotomie
Fortbildung
Sollten Sie darüber
hinaus Fragen zu diesem Eingriff haben oder Ihnen etwas unklar sein,
informieren wir Sie gerne über diesen Eingriff.
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